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Die Infoseite erläutert die Herkunft und Bedeutungsentwicklung der Wörter hell und behelligen. Obwohl beide Wörter heute ähnlich aussehen, gehen sie auf unterschiedliche Wortstämme zurück. Das Adjektiv hell bezeichnete ursprünglich einen klaren, klingenden Ton und entwickelte später Bedeutungen wie „licht“, „klar“ und „klug“. Das Verb behelligen entstand dagegen aus einem heute ausgestorbenen Wort mit der Bedeutung „ermüden, plagen, quälen“ und bedeutet heute „stören“ oder „belästigen“.

Auf dieser Seite findest du weiterführende Hinweise zur Wortgeschichte, Wortbildungen und Redensarten. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob das Morphem hellig zur Gruppe der unikalen Morphemen gerechnet werden kann.

Weiterführende Informationen ...

... zum Wort behelligen

Entstehung: ie. *(s)kel- = austrocknen, dörren
Interessant: aus ie. (s)kel wurde griech. skeletós = ausgetrocknet → Skelett
→ germ. *halla- → mhd. hel = schwach, matt
→ mhd. hellec, hellic = ermüdet, erschöpft, abgemattet - das Adjektiv ist untergegangen
→ ca. 14. Jh. hellegen, helligen = durch Verfolgung ermüden, plagen, quälen - das Verb ist untergegangen
→ 16. Jh. behelligen = stören, belästigen, lästig fallen
Wortbildungen: Behelligung, unbehellitgt
Ableitungen: -
Anmerkung: Das Verb behelligen wird heute meist in der Bedeutung „jemanden stören oder belästigen“ verwendet. Es gehört zur gehobenen oder formellen Sprache und kommt besonders in offiziellen Texten oder in der Schriftsprache vor.

... zum Wort hell

Entstehung: ie. *kel(ə)- = rufen, schreien, lärmen, klingen;
→ Adjektiv: ahd. hel = tönend, mhd. hel = tönend, laut, glänzend, licht;
→ Verb: ahd. hellan, mhd. hellen = ertönen, erschallen
  • Das Adjektiv ist zunächst auf Laute/Töne bezogen,
  • seit Luther auch als Gegenwort zu dunkel, dementsprechende Wortbildungen z. B. hellgrün - dunkelgrün, hellrot - dunkelrot ...
  • später auch stofflich im Sinne von klar, z. B. hellglänzend, hellgetönt
  • dann auch Gebrauch im übertragenen Sinn, klug, aufgeweckt, schnelle Auffassungsgabe, z. B. helles Köpfchen
  • seit 16. Jh. wird hell auch verstärkend gebraucht, z. B. seine helle Freude haben (große Freude), in helle Wut geraten (große Wut)
zum gleichen Ursprung gehören auch: hallen, einhellig, misshellig
Ableitungen: helle (Adjektiv, aufgeweckt, gescheit), Helle (Substantiv, Helligkeit, Licht), hellen (Verb, aufhellen, sich erhellen), Helligkeit, Helles (Substantiv, Abk. für helles Bier)
Interessantes: Ursprünglich bedeutete das zugrunde liegende Adjektiv (ahd. hel) nur auf die Akustik bezogen. Im Laufe der Zeit hat das Wort dann auch andere Bedeutungen (siehe hierzu die Wörterliste) angenommen.
Heller Der Heller war früher eine Münze im Wert von einem halben Pfennig. Der Name hat nichts mit dem Adjektiv hell zu tun. Er ist abgeleitet von der Stadt Schwäbisch Hall in der diese Münzen ab dem 13. Jh. geprägt wurden. Der Name der Münze ist heute noch in einigen Redewendungen erhalten, z. B. auf Heller und Pfennig (ganz genau) oder das ist keinen Heller wert (etwas ist nichts wert).

Wörterliste zum Adjektiv hell

Zum Adjektiv hell gibt es verschiedene Wortbildungen. In der folgenden Tabelle sind Beispielwörter nach Bedeutungsgruppen sortiert aufgeführt. Die Wörter sind mit dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) verlinkt. Wenn dort kein Haupteintrag vorhanden ist, kann die konkrete Bedeutung an den Textbeispielen erschlossen werden.

Licht
Licht, Leuchten, Helligkeit
aufgehellt, Aufheller, Aufhellung, dämmerhell, dunkelhell, erhellen, erhellt, Erhellung, halbhell, hellerleuchtet, hellerlicht, hellglänzend, hellleuchtend, helllicht, helllodernd, hellstrahlend, Hellwerden, kerzenhell, kristallhell, mondhell, neonhell, schneehell, sonnenhell, spiegelhell, sternenhell, tageshell, Tageshelle, taghell, Taghelle, überhell, wasserhell, ...
Farbe
helle Farben und äußeres Erscheinungsbild
goldhell, helläugig, hellbeige, hellblau, hellblond, hellbraun, hellfarben, hellfarbig, hellgekleidet, hellgelb, hellgestreift, hellgrau, hellgrün, hellgrundig, hellhaarig, hellhäutig, helllila, hellorange, hellrosa, hellrot, helltürkis, hellviolett, hellweiß, ...
Klang
heller Ton und klare Stimme
glashell, glockenhell, hellgetönt, hellklingend, silberhell, spiegelhell, ...
Klarheit
Verstehen, Erkenntnis, Aufmerksamkeit
blitzhell, erhellen, Erhellung, geisteshell, Hellfeld, hellhörig, Hellhörigkeit, hellwach, hellwach , ...
Übersinnliches
Hellsehen und Hellsicht
hellsehen, Hellsehen, Hellseher, Hellseherei, Hellseherin, hellseherisch, Hellsicht, hellsichtig, Hellsichtigkeit, ...
Sonstige Bedeutungen
Fachbegriffe, Gegenstände, feste Bildungen
hellauf, Helldunkel, Helldunkelmalerei, Helldunkelschnitt, Hellfuchs, hellglühend, Hellraumprojektor, Hellriegel, Hellstrom, Hellung, Stimmungsaufheller, Stimmungsaufhellung, ...

Redensarten, Zitate

Es gibt zum Grundwort hell viele Bauernregeln, Sprichwörter, Redensarten und Zitate. Hier einige Beispiele. Weitere Internetseiten mit Beispielen findest du im Kapitel Belege/Quellen. Die hier aufgeführten Internetseiten sind nicht werbefrei.

Aphorismen:

  • Je blinder der Herr, je heller der Knecht. – Quelle
  • Je höher die Glocke hängt, je heller sie klingt. – Quelle
  • Und kommt im März die Sommerzeit, ist's länger hell für Schwarzarbeit. – Quelle
  • Wer die Sonne nicht kennt, dem ist der Mond hell genug! – Quelle
  • ...

Zitate:

  • Ach, wenn in unserer engen Zelle / Die Lampe freundlich wieder brennt, / Dann wird’s in unserm Busen helle, / im Herzen, das sich selber kennt. – (J. W. von Goethe) – Quelle
  • Die beste Lampe ist unnütz, wenn die Sonne hell scheint. – (Walter Ludin) – Quelle
  • Die Flamme ist sich selbst nicht so hell als den andern, denen sie leuchtet: so auch der Weise. – (Friedrich Nietzsche) – Quelle
  • Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar... – (Matthias Claudius) – Quelle
  • Über uns die lieben Sterne blinken / hell und frohgemut. / Denn sie sehen schon von Ferne, / auch hier unten geht es gut. – (Wilhelm Busch) – Quelle
  • Über sieben Brücken musst du geh'n, / sieben dunkle Jahre übersteh'n, / siebenmal wirst du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein. – (Peter Maffay) – Quelle
  • ...

Bauernregeln:

  • Januar: Ist der Januar hell und weiß, kommt der Frühling ohne Eis, wird der Sommer sicher heiß. – Quelle
  • Februar: Lichtmess hell und klar gibt ein gutes Rogenjahr (Flachsjahr). – Quelle
  • März: Palmsonntag hell und klar, gibt ein gut und fruchtbar Jahr. – Quelle
  • April: Heller Mondschein im April, gibt an Obst nicht viel. – Quelle
  • Mai: St. Urban hell und rein, gibt viel Korn und Wein. – Quelle
  • Juni: , Juli Hundstage hell und klar ..., August: hell und zart an Mariä Himmelfahrt ..., September: Auf Lambert hell und klar ... – Quelle
  • Oktober: Ist`s an Judas hell und klar, ..., November: Ein heller Herbst bringt ..., Dezember: Ist die Christnacht hell und klar, ..., – Quelle
  • ...

Mehrwortausdrücke:

Die Mehrwortausdrücke greifen vor allem die Bedeutungen im übertragenen Sinn auf: hell = klug, intelligent / hell = stark, besonders, außergewöhnlich, hell = groß, zahlreich, hell = freudig, begeistert

  • der helle Wahnsinn sein - Etwas ist außergewöhnlich, unglaublich oder kaum zu glauben; oft bewundernd, manchmal auch kritisch gemeint.
  • das ist der helle Wahnsinn - Ausruf des Erstaunens über etwas, das besonders beeindruckend, verrückt oder übertrieben erscheint.
  • helles Köpfchen - Bezeichnung für ein kluges, aufgewecktes und schnell denkendes Kind oder einen intelligenten Menschen.
  • in hellen Haufen - In großer Menge oder in dicht gedrängten Gruppen zusammen.
  • in hellen Scharen - In sehr großer Zahl; viele Menschen kommen oder erscheinen gleichzeitig.
  • nicht die hellste Kerze auf der Torte sein - Umgangssprachlich und scherzhaft: nicht besonders klug oder nicht sehr intelligent sein.
  • nicht die hellste Kerze im Leuchter sein - Umgangssprachlich und scherzhaft: etwas begriffsstutzig oder wenig intelligent sein.
  • helle Freude an etwas haben - An etwas besonders großen Spaß, starke Begeisterung oder große Freude empfinden.
  • ...

behelligen:

  • Eigentlich sollte ich mich schämen, Gott mit meiner Person zu behelligen. Aber seltsam, ich fühle, daß sich Gott mit mir beschäftigt. – (Karl Gutzkow) – Quelle
  • Himmel: ein Ort, wo die Bösen aufhören, dich mit ihren persönlichen Angelegenheiten zu behelligen, und wo die Guten aufmerksam zuhören, wenn du deine Angelegenheiten darlegst. – (Ambrose Gwinnett Bierce) – Quelle
  • Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos. – (Hans Magnus Enzensberger) – Quelle

Unikales Morphem ?

Das Morphem hell(ig) im Verb behelligen kommt in dieser Bedeutung im heutigen Sprachgebrauch nicht isoliert und auch in keinen anderen Wortbildungen vor, sondern nur gemeinsam mit der Vorsilbe be-.
Pik-Kreis-gruen.jpg Das Morphem hell(ig) ist in dieser Bedeutung ein unikales Morphem.

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Belege/Quellen

hell:

Rechtschreibung: DWDS, Wiktionary, Duden-online, ZDL;

Etymologie: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz: Adelung, Campe, BDO[, [https://www.woerterbuchnetz.de/?sigle=GWB&lemid=H02227#0 Goethe, Grimm-1, Krünitz,

Wikipedia

Redensarten/Zitate: Aphorismen.de hell, behelligen, deutsche-sprichwörter.de (Bauernregeln), gutezitate, zitate7.de, zitate-online.de,

behelligen:

Rechtschreibung: DWDS, Wiktionary, Duden-online, ZDL;

Etymologie: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz: Adelung, BDO, Goethe, Grimm-1, Grimm-2,

Wikipedia

Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen



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