Info - betütern

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Weiterführende Informationen zu betütern und Tüder

betütern:

Bedeutung: norddeutsch betütern = jemanden übertrieben umsorgen, berlinerisch = sich leicht betrinken

kein Bedeutungs- oder Herkunftszusammenhang zu norddeutsch tütern = tuten, (ebenso antütern/antuten = betrinken)

Entstehung: wahrscheinlich Ableitung zu norddeutsch tüdern; Die Bedeutung von tüdern (Vieh auf der Weide anbinden) wurde im Wort tütern im übertragenen Sinn gebraucht: jemanden durch übertriebenes Umsorgen an sich binden, festhalten.

die alten Wörter Tüter bzw. Verb tütern sind heute in dieser Form und Bedeutung nicht mehr gebräuchlich.

Ableitungen: betütert
Wortbildungen: -

Tüder/tüdern:

Entstehung: norddeutsch Tüder = Strick, Seil zum Anbinden von Tieren; westf., rhein. Tüdder
Ableitungen: sh. Kap. Wörterliste
Wortbildungen: sh. Kap. Wörterliste
Interessantes: Umgangssprachlich wird das Verb auch im Sinne von sich einen Schwips antrinken verwendet. Die Herkunft dieser Bedeutungsübertragung ist unklar.

Wörterlisten zum Grundwort tüder

Zum untergegangenen Verb tüter gibt es heute nur noch die Wortbildung betütern. Das nord- und westdeutsche Nomen Tüder bzw. Tüdder ist demgegenüber bis heute in verschiedenen Dialekten gebräuchlich. Einige wenige Wörter sind auch in der hochdeutschen Umgangssprache im Gebrauch, z. B. tüdelig oder Tüddelkram.

Die folgende Tabelle enthält einige Beispiele für Wortbildungen mit dem dem Nomen Tüder bzw. Tüdder. Hierfür wurden exemplarisch das Niederdeutsche-, Mecklenburgische-, Rheinische--und Westfälische- Wörterbuch. Wörter, die in mehreren Wörterbüchern vorkommen, wurden nur mit der informativsten Quelle verlinkt.

Bedeutungsgruppen der Wortbildungen zum Grundwort tüdern
Gerät zum Anbinden von Tieren auf der Weide: Tüder , Tüderbäker, Tüderbüker, Tüderfessel, Tüderstrampe, Tüderwarwel
Pflock, Pfahl zum Anbinden von Vieh: Tüderpfahl, Tüderpinn, Tüder-stak, Tüderstopp, Tüderpahl, Tüderpal, Tüderpigge, Tüderpin, Tüderspit, Tüderstake
Seil, Kette zum Anbinden von Vieh: Tüderholz, Tüder, Tüder, Tüderholt, Tüderse, Tüdertau, Tüderkette, Tüderkietene
sonstige Bedeutungen: Tüderhammer, Tüderweide, Tüderhamer, Tüderhawern, Tüdertun
Tüder in übertragener Bedeutung (meist im Sinne von Wirrwarr, Durcheinander, unordentlich)
Nomen (meist im Sinne von großem Durcheinander): Tüderi, Tüderßel, Tüder, Tüderie, Tüderig, Tüderkram, Tüderwark;

Tüderbüdel (jmd., der viel verwirrt und sinnlos erzählt), Tüderwand (Lehmfachwerk), Tüderbücks (jmd., der viel verwirrt und sinnlos erzählt),

Verben: tüdern (anbinden), tüderen (verstricken, verwickeln), fertüderen (verwirren, verwickeln), fertüdderd (verwirrt), vertüdern (verwirren, schwerfällig beim Gehen), vertüdern (jdm. beleidigen),
Adjektive: tüderig (1. verworren, unordentlich, 2. in Gedanken verwirrt), tüderig (1. verworren, 2. verwirrt, zerstreut 3. verrückt 4. unordentlich)
Personen: Tüderbuck (Beiname für einen Knecht), Tüderfritz (scherzhafte Bezeichnung für jemanden lügt), Tüderjochen (Schelte für einen schlechten Mäher)
weitere Wortbildungen mit tüdder als Grundwort
Verben: abtüddern, aftüdern, antüdern, antüddern, austüddern, daltüdern, fasttüdern, hentüdern, intüdern, rantüdern, rintüdern, rümtüdern, ruptüdern, tausamentüdern, ümtüdern, uptüdern, utüdern, uttüdern, vertüddern, vörtüdern, vulltüdern
Nomen: Getüder, Hippentüder, Kuhtüdder

Unikales Morphem ?

Das Verb tüdern kommt nur noch als Regiolekt in Norddeutschland, Rheinland, Westfalen und vereinzelt auch im Berliner Raum vor.

Das Verb tütern ist wahrscheinlich eine hochdeutsche Variante zum niederdeutschen Verb tüdern.

Das Verb tütern in der Bedeutung von jmd. umsorgen kann in der hochdeutschen Sprache als ausgestorben bzw. veraltet angesehen werden.

Als Dialektvariante gehört tütern zur Wortfamilie tüdern. Das Morphem tüd bzw. tüt kommt in dieser Bedeutung mit der Verbendung -ern isoliert vor. Das Verb betütern ist demnach eine Wortbildung zu tüdern

Es besteht kein etymologischer oder Bedeutungszusammenhang von Tüder bzw. betütern zum norddeutsch tütern = tuten.

Pik-Kreis-rot.jpg Die Morpheme tüt(ern) und tüd(ern) sind daher keine unikalen Morpheme.

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Belege/Quellen

betütern: DWDS, Wiktionary, ZDL, Duden-online (nicht werbefrei)

tüdern: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz (tüdern: MeckWb, tüddern: RhWb, Tüdder: MeckWb , WestfWb, Tüdder: RhWb), ZDL; Wikipedia, Duden-online (nicht werbefrei), Wissen.de (nicht werbefrei); Ortschaft Tüddern (Kreis Heinsberg, NRW)

Die Belege zu den Wortbildungen sind in der Tabelle direkt verlinkt.

Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen

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