Info - Gekröse
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Das Wort Gekröse geht auf eine alte Wortfamilie mit der Bedeutung „kraus, gedreht, gekrümmt“ zurück. Das mittelhochdeutsche gekrœse bezeichnete ursprünglich das „Gedrehte“ oder „Krause“ und wurde für das kleine Gedärm verwendet. Verwandte Formen haben sich in Kröse, kröseln und verschiedenen Fach- und Dialektwörtern erhalten.
Weiterführende Informationen zum Wort Gekröse
| Entstehung: | germ. *kruzla, ahd. krul, mhd. krol = kraus, lockig
|
| Wortbildungen: | Darmgekröse, Kalbsgekröse
veraltet: gekröselt, Gekrösader, Gekrösdrüse, Gekrösentzündung, Gekrösfell, Gekrösgeflecht, Gekröshaut, Gekrösmantel, Gekröspulsader, Gekrösschlagader |
| Grundwort: | Kröse, kröseln; Kröselzange, Kröseeisen, Kröseldorn (Krausbeere) |
| Interessantes: | In der heutigen Alltagssprache wird das Wort meist nur noch in der Medizin oder Fachsprache verwendet. |
Gekröse = Halskrause
Das Wort Gekröse wurde früher auch für die gefaltete Halskrause verwendet, weil diese stark gekräuselt war. Die Halskrause kam als Modeerscheinung im 16. Jh. aus Spanien auch in den deutschsprachigen Raum. Hier wurde sie sowohl von Frauen als auch Männern der gehobenen Gesellschaft getragen. In vielen Regionen war sie Ausdruck einer besonderen Position, zum Beispiel bei Richtern, Bürgermeistern, Pastor(inn)en der evangelischen Kirchen. Heute gehört die Halskrause nur noch in einigen wenigen norddeutschen evangelischen Pfarreien (z. B. in Hamburg und Lübeck) zum verbindlichen Messgewand für Prieser.
Regional haben sich viele verschiedene Begriffe für die Halskrause entwickelt. Diese haben 1) einen historischen Bezug oder Vorbild, beziehen sich 2) auf die Form oder Herstellung oder haben 3) ihren Namen vom Träger oder regionaler Tradition abgeleitet.
Die folgende Tabelle enthält einige Beispiele für regionale gebräuchliche Benennungen der Halskrause. Die letzte Spalte der Tabelle ist mit Online-Belegen verlinkt.
| Gr. | Grundwort | Kurze Erläuterung | Region | Belege |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Duttenkragen | Krause mit röhrenförmig gelegten Falten, den sogenannten Dutten. | überregional bes. norddeutsch | Quelle |
| 1 | Fraise / Fräse | Aus dem Frz. übernommene Bezeichnung der historischen Halskrause. | überregional | Quelle |
| 1 | Gekröse | Veraltete Bez. für die Halskrause; heute vor allem anatomische Bedeutung. | überregional, veraltet | Quelle |
| 3 | Hamb. Halskrause | Regional bestimmte Bezeichnung der im Hamburger Ornat getragenen Krause. | nordd., Hamburg, Kiel Lübeck | Quelle |
| 1 | Krause | allgemeine Bezeichnung für die Halskrause | überregional | Quelle |
| 1 | Krös | Historische bzw. mundartliche Nebenform zu Krause. | oberdeutsch, schweizerisch | Quelle |
| 1 | Kröse | Steife Halskrause; historischer Ausdruck, auch in der Amtstracht erhalten. | Schwaben, Schweiz, Voralberg | Quelle |
| 1 | Krulle | Historische Bezeichnung für eine Halskrause. | Niederlande | Quelle |
| 1 | Krauskragen
Krüskragen |
In der kostümgeschichtlichen Literatur belegt.
Mundartlich geprägte Form von Krauskragen. |
niederdeutsch | Quelle |
| 1 | Lobbe / Lobben | Frühneuhochdeutsch „Halskrause“; ripuarische Belege, insbesondere aus Köln (1578 und 1587). | Ripuarisch, Köln | Quelle |
| 2 | Mühlsteinkragen | Bildhafte Bezeichnung der großen, waagerecht abstehenden Rundkrause. | überregional | Quelle |
| 2 | Mühlsteinkröse | Verbindung von Mühlstein und Kröse; Bezeichnung der kirchlichen Halskrause. | regional (nicht gesichert) | Quelle |
| 1 | Mühlsteinrad | Bildhafte Benennung nach der kreisrunden Form. | Hamburg, norddeutsch | Quelle |
| 3 | Pastorenkragen | Funktionsbezeichnung nach dem Träger; insbesondere die Halskrause zum Talar. | norddeutsch und evangelisch geprägten Regionen | Quelle |
| 3 | Pfeifenkragen | Nach den röhren- oder pfeifenförmigen Falten benannt. | überregional | Quelle |
| 2 | Tellerkrause | Bezeichnung nach der flachen, tellerförmig ausladenden Form. | überregional | Quelle |
| 3 | Wagenrad | Bildhafte Bezeichnung, besonders im Zusammenhang mit Hamburger Geistlichen dokumentiert. | norddeutsch | Quelle |
Unikales Morphem ?
| Das Morphem kröse kommt im heutigen Sprachgebrauch als Nomen in einigen Dialekten, als Fachbegriff (Küfer, Glaser) und als Adjektiv kröseln vor. Demnach kommt das Morphem nicht isoliert und auch in verschiedenen Wortbildungen vor. | |
| Es gibt keinen etymologischen- oder Bedeutungszusammenhang zum Verb krosen, dem Nomen Kros/Krös und dem Eigennamen Krösus. | |
| Das Morphem krös ist daher kein unikales Morphem. | |
Belege/Quellen
Gekröse: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz (Adelung, BDO, BMZ, Grimm, RhWb, ), ZDL, Duden-online
Kröse: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz, (BDO, BMZ, Grimm), Idiotikon (Chrȫs, Grȫsch, Chrȫsch), Krünitz, ZDL, Duden-online
Halskrause: Weitere interessante Texte zur Halskrause und zu regionalen Begriffen: Das weiße Wagenrad der Pastoren, Adolf Rosenberg: Geschichte des Kostüms, Kap. Mode der Halskrausen, Hamburger Halskrause, Anna C. Friedrich: In Mode, Kap. Mühlsteinkragen, S. 140-143, Jutta Zander-Seidel: In Mode, Kap. Die Halskrause, S. 152-163, evangelisch.de (Bildergalerie über die Pflege der Duttenkragen. Diese Quellen sind nicht werbefrei. Viele frei zugängliche Bilder (vor allem von Personen) mit einer Halskrause findest du bei Wikipedia, Wikimedia-Commons und in der Kunst.
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
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