Info - Druckschrift als Ausgangsschrift

Aus Fragen an Graf Ortho
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Das Ziel des Schreibunterrichts ist es, dass die Kinder im Laufe der Grundschulzeit eine lesbare flüssige Handschrift entwickeln.

In vielen Schulen wird zunächst eine Druckschrift (Druckschrift-Nord, Druckschrift-Süd) im Anfangsunterricht vermittelt. Später wird dann eine verbundene Schrift eingeführt, z. B. die Schulausgangsschrift (SAS), die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) und selten auch noch die Lateinische Ausgangsschrift (LA). In einem dritten Schritt entwickeln die Kinder aus dieser verbundenen Schrift eine individuell geprägte Handschrift.

Auf dieser Seite werden Argumente und wissenschaftliche Belege beschrieben, wie aus der Druckschrift direkt eine individuelle verbundene Schrift entwickelt werden kann, ohne dem Umweg über eine verbundene Ausgangsschrift. Eine solche individuelle verbundene Druckschrift ist in der Regel schneller (flüssiger) und deutlich besser lesbar.

Um das Ziel einer lesbaren flüssigen Handschrift zu erreichen ist es hilfreich, eine leicht geänderte Druckschrift als Ausgangsschrift einzuführen. Diese sollte von Beginn an auf sinnvolle Buchstabenverbindungen ausgerichtet sein. Eine solche Vermittlung ist darüber hinaus auch für Kinder mit graphomotorischen Schwierigkeiten hilfreich, die für die Ausbildung einer flüssigen lesbaren Handschrift sehr viel mehr Zeit benötigen.

Schreibschrift oder Druckschrift

Druckschrift als Leseschrift

Während früher die Druckschrift und die verbundene Schrift als Leseschrien gleichberechtigt nebeneinanderstanden, verschwindet die verbundene Schrift als Leseschrift immer mehr. Selbst kurze Mitteilungen werden heute über Soziale Netzwerke (z. B. Twitter, Facebook, Tic-Toc), Messenger (z. B. WhatsApp, Signal, Trema) ausgetauscht. Darüber hinaus gibt es unzählige themenspezifische Internetseiten (z. B. als Foren, Chats und Blogs) und auch die „klassischen“ SMS und E-Mail werden zum Informationsaustausch nach wie vor genutzt. Die Schreib- und Leseschrift ist in all diesen Medien die Druckschrift. Dagegen wird die Handschrift heute fast ausschließlich nur noch für eigene Notizen (z. B. Einkaufszettel) und in der Schule benötigt.

Druckschrift als Schreibschrift

Sobald Kinder und Jugendliche ein eigenes Smartphone besitzen lernen sie mit zwei (oder vier) Fingern Texte zu schreiben. Und auch am Computer oder Laptop tippen sie ihre Texte (leider!) oft mit zwei Fingern in die Tastatur oder auf den Bildschirm. Nur sehr selten wird ihnen schon früh das Schreiben mit „zehn Fingern“ in der Schule vermittelt. Dies wäre für ihre weitere schulische, universitäre oder berufliche Laufbahn viel wichtiger als das Schreiben mit der Hand.

Die Leseschrift ist heute fast ausschließlich die Druckschrift. Daher sollte die Druckschrift auch für die Vermittlung der Handschrift - die nach wie vor wichtig und notwendig ist ! - im Mittelpunkt des Schreibenlernens im Anfangsunterricht stehen.

Vorgaben durch die Lehrpläne

In fast allen deutschen Bundesländern (nur in Rheinland-Pfalz ist dies nicht explizit im Lehrplan genannt) erlernen die Kinder das Lesen und Schreiben zunächst mit einer Druckschrift. In den meisten Lehrplänen der einzelnen Bundesländer wird keine spezifische Druckschrift als Ausgangsschrift vorgeschrieben ist. In den meisten Bundesländern wird keine verbundene Schrift verpflichtend vorgeschrieben, in einigen Bundesländern gibt es Empfehlungen. Die Primarschrift und die Grundschrift sind von Anfang an auf die (spätere) Verbindung von Buchstaben ausgelegt. Hier brauchen die Kinder keine neue verbundene Schrift zu erlernen.

In Österreich sind neben der Primarschrift die Druckschrift 95 und Schulschrift 95 am gebräuchlichsten. In der Schweiz sind als Druckschrift die Basisschrift und Steinschrift und als verbundene Schrift die Schweizer Schulschrift vorgegeben.

Verbreitet sind im deutschen Sprachraum:

Das in den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz von 2004 beschriebene Lernziel für die Klasse 4 lautet: Sie [die Kinder] schreiben eine lesbare und flüssige Handschrift.

Besonderheit Primarschrift

Linkliste Primarschrift

In dieser als Linkshänder- und Rechtshändervariante entwickelten Schrift werden Zielpunkte vermieden. Sie kann daher einfacher automatisiert werden. Neben den einzelnen Buchstaben umfasst die Primarschrift einige Buchstabenverbindungen, die von den Kindern für den Übergang zur verbundenen Schrift genutzt werden können (Diphthonge, typische Endungen, Buchstabenfolgen ie, ch und qu bzw. Qu). Der Vorteil der Primarschrift liegt im „universellen Design“ (vgl. UN-Behindertenrechtskonvention 2006, Art. 2). Das bedeutet, dass diese Schrift sowohl von Kindern mit motorischen Schwierigkeiten als auch von Kindern mit großem motorischen Geschick verwendet werden kann, die später (je nach Möglichkeit) hieraus eine verbundene Schrift entwickeln können. Klicke auf das nebenstehende PDF-Symbol, wenn du die Primarschrift und eine Anleitung für die Installation herunterladen möchtest. Das PDF-Dokument enthält die entsprechenden Links für die Downloads.

Von der Druckschrift zur verbundenen Schrift

Unterrichtsziele

Das Ziel des Schreiblehrgangs in der Grundschule ist: Die Kinder schreiben in einer lesbaren und flüssigen Handschrift.

Download Word-Vordruck
B-Z-Ausgangsschriften-S3.jpg
Ausgangs-schriften
  • Lesbare Handschrift: Die Leseschrift ist heute die Druckschrift. Fast alle Texte die Kinder lesen und auch selbst (am Computer, Smartphone etc.) schreiben sind in Druckschrift verfasst. In gedruckten Texten wird häufig eine serifenlose Antiqua-Schrift verwendet, z. B. Arial, Times Roman. In der Handschrift unterscheidet sich diese vor allem in der vereinfachten Schreibung des Kleinbuchstabens a, z. B. Century Gothic, Comic Sans. Die verbundenen Schulschriften (z. B. Schulausgangsschrift, Vereinfachte Ausgangsschrift, Österreichische Schulschrift) verändern die Druckschrift vor allem bei den Kleinbuchstaben (z. B. die Schreibbuchstaben der Vereinfachten Ausgangsschrift b, f, g, h, j, k, l, p, q, s, t, y und z, siehe hierzu das nebenstehende PDF-Dokument). Damit verschlechtern sie die Lesbarkeit dieser verbundenen Schriften.
Fazit: Die gesonderte Vermittlung einer Schreibschrift, wie dies an vielen Schulen bis heute praktiziert wird, ist vom Gesichtspunkt der Lesbarkeit kein Vorteil.
  • Flüssige Handschrift: Die verbundenen Schulschriften sollen den Vorteil haben, dass mit diesen die Handschrift flüssiger und somit schneller wird als die Druckschrift. Dies stimmt nicht ganz. So benötigen beispielsweise die zusätzlichen Schleifen bei den Kleinbuchstaben (im Vergleich zur Druckschrift) mehr Zeit, als der Luftsprung. Dies gilt vor allem für die Verbindungen von der Grund- zur Oberlinie. Darüber hinaus können viele Buchstaben nicht miteinander verbunden werden, so z. B. Buchstaben, die nach rechts auslaufen = rechtsausläufig) mit Buchstaben die mit einer Bewegung nach links beginnen (= linksanläufig).
Rechtsausläufige Buchstaben werden als Einzelbuchstaben bei der Einführung der Schreibschriften (und auch in der Grundschrift !) mit einem auslaufenden Haken versehen. Damit wird den Kindern suggeriert, dass dieser Buchstabe immer verbunden werden kann, was so nicht korrekt ist. Dies gilt z. B bei Verbindungen mit dem Buchstaben a für die Buchstabenverbindungen aa, ac, ag, ao, aq und as. Die Schreibschrift kann zwar flüssig geschrieben werden, das gilt jedoch für andere, aus der Druckschrift abgeleitete verbundene Schriften ebenso, wie z. B. der Primarschrift und der Grundschrift.
Fazit: Die gesonderte Vermittlung einer Schreibschrift, wie dies an vielen Schulen bis heute praktiziert wird, ist vom Gesichtspunkt der Flüssigkeit einer Schrift kein besonderer Vorteil.
  • Individuell geprägte schnelle Handschrift
Schülerinnen und Schüler, die eine verbundenen Schulschrift gelernt haben, entwickeln meist erst nach der Grundschulzeit (ab der 4. bis 6. Klasse) eine individuell geprägte Handschrift, die im Laufe der Zeit immer flüssiger und schneller wird. Mit der Schreibgeschwindigkeit verändern sich vor allem die Buchstabenverbindungen und damit meist auch die Buchstabenformen.
Schaut man sich handgeschriebene Texte von Erwachsenen an, dann können diese grob in vier Gruppen eingeteilt werden:
  1. Die Schrift ist langsam und ungelenk; sie kann stark der gelernten Schulschrift ähneln oder auch deutlich hiervon abweichen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn diese Person als Erwachsene(r) nicht mehr viel mit der Hand schreibt, z. B. nur noch den Einkaufszettel. Häufig hatten diese Personen als Schülerinnen und Schüler (fein)motorische Schwierigkeiten die dazu geführt haben, dass sie keine automatisierte Schreibbewegung entwickeln konnten.
  2. Die Schrift ist stark individuell geprägt und weicht deutlich von der gelernten Schulschrift ab. Oft ist die Handschrift, je schneller und häufiger ein Erwachsener mit der Hand schreibt, nicht sehr leicht zu lesen. Das ist in der Regel auch nicht notwendig, da der Schreiber bzw. die Schreiberin gleichzeitig auch einzige(r) Leser(in) des Geschriebenen ist. Das ist z. B. bei Personen der Fall, die beruflich Texte verfassen und diese vorab in Stichworten oder Zusammenfassungen von Hand aufschreiben, beispielsweise als Journalist*in oder Autor*in.
  3. Die Schrift ist flüssig und gut lesbar; sie weicht mehr oder weniger deutlich von der gelernten Schulschrift ab. Die individuelle Prägung zeigt sich insbesondere bei einigen Buchstabenformen und Buchstabenverbindungen. Ein solches Schriftbild finden wir oft bei Erwachsenen, die schon früh eine individuelle Ausprägung der gelernten Schulschrift entwickelt haben und gleichzeitig nach der Schulzeit nur noch wenig mit der Hand schreiben.
  4. Die Schrift ist flüssig und gut lesbar; sie ähnelt der Druckschrift mit mehr oder weniger vielen Buchstabenverbindungen. Wir finden dieses Schriftbild vor allem bei Personen, die aus der Druckschrift als Ausgangsschrift direkt eine individuell geprägte Handschrift entwickeln konnten (ohne den Umweg über eine verbundene Schulschrift).

Die schnellsten Handschriften sind einerseits die individuell geprägten Schriften, die häufig genutzt werden (2) und andererseits die aus der Druckschrift heraus entwickelten Schriften mit individuellen Buchstabenverbindungen (4). Die lesbarste Schrift ist die Druckschrift mit individuellen Buchstabenverbindungen (4).

Zusammenfassung

Entwicklung Schulschriften
  • Die verbundene Schreibschrift ist heute als Leseschrift im außerschulischen Bereich kaum noch von Bedeutung.
  • Die dominante Leseschrift ist heute die Druckschrift.
  • Die Kultusminister der Länder haben in der Kultusministerkonferenz als Ziel vereinbart: Die Kinder schreiben in einer lesbaren und flüssigen Handschrift.
  • Dieses Ziel ist mit einer Druckschrift, die auf Buchstabenverbindungen ausgerichtet ist (Primarschrift, Grundschrift, Basisschrift), am ehesten zu erreichen. Die zusätzliche Vermittlung einer verbundenen Schrift (z. B. Ausgangsschrift, Schulschrift) ist nicht notwendig, im Gegenteil: Die Vermittlung einer verbundenen Schreibschrift benötigt viel Zeit und Energie, die am Ende nicht zu einem besseren Ergebnis führt wie eine verbundene Druckschrift.

Wenn du mehr über die Entwicklung der Schulschriften und der Primarschrift erfahren möchtest, so findest du eine ausführliche Beschreibung in dem Artikel: Eine flüssige lesbare Handschrift entwickeln. Dieser Artikel steht auch als PDF-Dokument zur Verfügung. Zum Download klicke auf das PDF-Diagramm rechts.

Buchstabenverbindungen

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Die Schulausgangsschriften (Schulausgangsschriften, vereinfachte Schulschrift) zeichnen sich dadurch aus, dass alle Buchstaben miteinander verbunden werden (können/sollen). Das führt zu einer deutlichen Veränderung vieler Buchstaben im Vergleich zur Druckschrift. Dies gilt vor allem für die Großbuchstaben G, I, J, Y und die Kleinbuchstaben b, f, g, h, j, k, l, s, t, y, (z). Problematisch sind auch Verbindungen von Buchstaben, die mit einer Bewegung nach rechts aufhören, mit einem Folgebuchstaben, der mit einer Bewegung nach links beginnt. Gleiches gilt auch für Verbindungen, wenn der erste Buchstabe mit einer Bewegung nach links aufhört. In diesen Fällen kommt es - gerade bei Kindern mit schreibmotorischen Schwierigkeiten - häufig zu einer deutlichen Veränderung des Buchstabens und vor allem zu einer überflüssigen Verlangsamung der Schrift.

Die folgenden Tabellen analysieren die möglichen Buchstabenverbindungen des Alphabets. Hierbei wird von einer Druckschrift (Grundschrift, Primarschrift) als Ausgangsschrift ausgegangen. Die Analyse soll zur Beantwortung folgender Fragen beitragen: Welche Buchstabenverbindungen kommen in deutschen Wörtern vor? Welche Buchstabenfolgen können flüssig geschrieben werden und führen zu einem Geschwindigkeitsvorteil gegenüber einer nicht verbundenen Schreibung?

Die farbigen Markierungen in den folgenden Tabelle bedeuten:

Diese Buchstaben können durch eine flüssige Schreibbewegung sinnvoll miteinander verbunden werden.
Diese Buchstabenverbindung ist zwar möglich aber nicht bewegungsökonomisch bzw. langsamer als ein unverbundene Schreibung.
Diese Buchstaben können nicht sinnvoll miteinander verbunden werden.
ya Diese Buchstabenverbindung kommt nicht oder nur sehr selten in deutschen Wörtern vor.

Verbindungen von Großbuchstaben

Verbindungen von Kleinbuchstaben

Vergleich der Grundwörter und schulischer Grundwortschätze

Belege/Quellen

Die Quellenangaben fehlen noch.


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Buchstaben: A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z