Info - emsig

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Das Adjektiv emsig geht auf sehr alte germanische und althochdeutsche Formen zurück und bedeutete ursprünglich „beständig, fortwährend, beharrlich“. Schon früh entstand mit der Endung -ig die Form, aus der sich unser heutiges emsig mit der Bedeutung „eifrig, unermüdlich, fleißig“ entwickelte. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert wurde neben emsig häufig auch ämsig geschrieben.

Auf dieser Seite kannst du mehr über das Adjektiv emsig erfahren, zur Herkunft und Bedeutung, warum es früher auch ämsig geschrieben wurde und ob das Morphem ems der Gruppe der unikalen Morpheme zugeordnet werden kann.


Weiterführende Informationen zum Wort emsig

Entstehung: ie. *omə-, *amə- = vorgehen, festmachen, bekräftigen u.a.
germ. *amita-, *amitaz = beständig
ahd. emiʒ, = immerwährend, häufig, eifrig, Adverb: ahd. emiʒʒēn
Ableitungen: emiʒlīh = beständig, beharrlich, eifrig, mhd. emʒlīche, frühnhd. emslich
sehr früh schon mit der Endung -ig: ahd. emiʒʒīg, emeʒʒīg, mhd. emʒec, emʒic = beständig, fortwährend, beharrlich
ahd. emizzigôn, mhd. emzigen. Abl. vorwiegend im obd. = sich fortgesetzt, unermüdlich mit etwas beschäftigen

zwischen dem 17. und 19. Jh. ist auch die Schreibweise ämsig zu finden

Wortbildungen: -
Ableitungen: Emsigkeit

emsig oder ämsig

Vorbemerkung:

Lange Zeit bestimmten die Schreiber in den Klöstern, wie ein Wort geschrieben wurde. Hier gab es durchaus große regionale Unterschiede. Nach der Erfindung des Buchdrucks waren es die Buchdrucker, die häufig die regionale Aussprache eines Wortes in ihren Druckwerken festhielten. Sie orientierten sich meist an Verwaltungstexten und öffentlichen Bekanntmachungen. Einen großen Einfluss hatte auch die Bibelübersetzung von Martin Luther. Ab dem 18. Jahrhundert versuchten Sprachwissenschaftler eine Vereinheitlichung der Schreibung von Wörtern herzustellen. Es entstanden erste umfassende Wörterbücher, die den Druckern Orientierung boten und in Schulen die Grundlage für den Sprachunterricht bildeten, z. B. Adelung (ab 1774). Campe (ab 1807), Heyse (ab 1833), Grimm (ab 1838), Duden (1880). Diese Wörterbücher spiegeln auch die aktuellen Diskussionen in den Sprachwissenschaften wieder.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Adjektiv emsig. Zunächst waren es die an der Aussprache orientierten Schreibungen: emizzīg, emeʒʒīg, emeʒʒīgon, emazzīg, emzic, emzec, enzic, emsig. Aber auch die regionalen Aussprachevarianten unterschieden sich: Am Anfang mit <e> oder <ä>, kurz oder lang, mit stimmhaftem s> oder <z> usw. In einem Wörterbuch sollten jedoch nicht die regionalen Aussprachen festgehalten werden, sondern allgemeingültige Rechtschreibregeln Orientierung geben. Eine wichtige Grundlage für die konkrete Schreibung auf der Lautebene bildete die Herkunft (Bedeutung) eines Wortes.

Und genau hier gab es bei einigen Wörtern unter den Pädagogen und Sprachwissenschaftlern gelegentlich heftigen Streit. So auch beim Adjektiv emsig.


ämsig statt emsig

Es gab seltsam anmutende Herkunftstheorien zum Adjektiv emsig, z. B. Johann Georg Wachter (1737 Glossarium Germanicum) leitete emsig von unmüssig ab, Johann Leonard Frisch (1741 Teutsch-Lateinisches Wörter-Buch) fand einen Zusammenhang zu ambachten = arbeiten.

Es gab aber auch ernst zu nehmende Theorien, die in heftigem Widerstreit miteinander lagen. Weitenauer, Gottschedt, Leidenroth und andere vertraten die Theorie, dass ämsig auf Ämse, eine frühe Form für das Nomen Ameise, zurückgeführt werden muss. Das Adjektiv beschreibt „das Geschäftigsein und die Beweglichkeit … Es drückt die rege Tätigkeit und Anstrengung aus, welche wir an der Ameise bemerken.“ Daher muss das Wort ämsig mit ä und nicht fälschlich mit e geschrieben werden.

Demgegenüber vertrat Adelung die Auffassung, dass emsig vom althochdeutschen emiʒ = beharrlich, eifrig abgeleitet ist und daher mit e, also emsig geschrieben werden muss.

Der Streit zwischen diesen beiden Lagern konnte nicht gelöst werden. Die einen beharrten auf ämsig, die anderen schrieben emsig. Beide Schreibungen finden wir in den verschiedenen historischen Korpora (sh. DWDS emsig, ämsig) wieder.

In den Wörterbüchern von Adelung (1793–1801), Campe (1807–1811), Grimm, und später auch im Duden (1880) finden wir neben dem Haupteintrag emsig auch die Schreibung ämsig mit dem Verweis sh. emsig. Erst nach der 2. Orthografischen Konferenz 1901 finden wir in allen Wörterbüchern nur noch die Schreibung e, also emsig.

Unikales Morphem ?

Das Morphem ems im Adjektiv emsig kommt in dieser Bedeutung nicht isoliert vor. Von diesem Morphem gibt es nur eine Ableitung/Wortbildung (= Emsigkeit). Die Grundlage ist die Wortbildung ems + ig. Einen etymologischen Zusammenhang mit anderen gleichlautenden Morphemen oder Namen gibt es nicht.
Pik-Kreis-gruen.jpg Das Morphem ems ist daher in dieser Bedeutung ein unikales Morphem.

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Belege/Quellen

DWDS, Wiktionary, Duden Online-Wörterbuch, OWID, wissen.de, Wortbedeutung.info, ZDL

Wörterbuchnetz: Adelung, AWB, AWB-Splett, [Goethe, Grimm-1, Grimm-2; Lexer, BDO, PfWb (hier auch empfsig, emsich), RhWb, ShWb, WBO (auch ämßig, emßig, ämpßig, ämstig), WfWb (auch: ämsig)

Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen



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